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Haiti im September 2010
Mitte September war eine Delegation von HELP a child, darunter die Spendenbeauftragte Simone Anders in Haiti.
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Wir besuchten die vier Kinderheime mit denen wir zusammenarbeiten und von denen sich eines im Wiederaufbau befindet. Zudem war ein Besuch in Ferrier geplant. Eine Gemeinde oberhalb von Port au Prince, wo wir den Neubau einer Schule begleiten und unterstützen werden.
In Haiti geht alles sehr langsam voran. Das Straßenbild hat sich nach wie vor kaum verändert. Dennoch sieht man an vielen Ecken Menschen die aufräumen. Mit bloßen Händen sortieren sie den Schutt. Alles was noch verwertbar ist, wird gesäubert und am Rand des Grundstücks aufgeschichtet. Stahl wird gesammelt, Steine die noch intakt scheinen und auch Holz. Alles an Schutt kippen die Leute an den Straßenrand, wodurch sich früher oder später wieder neue Probleme ergeben werden. Aber, man ist eben nicht in der Lage den Schutt abzutransportieren. Man sieht hier und da einen Bagger und auch einen LKW, aber nie und nimmer genügend. Es dauert somit lange, bis die Menschen ihre Grundstücke so frei geräumt haben, dass sie mit einem Wiederaufbau überhaupt beginnen könnten.
Die Regierung hat damit begonnen die Gebäude zu prüfen. Häuser die abgerissen werden müssen, sind rot markiert, welche die repariert werden können, sind gelb gekennzeichnet und alle « guten » Häuser haben einen grünen Stempel.
Bauarbeiter sieht man immer wieder, unter anderem fertigen sie in Handarbeit Betonsteine an. Sie möchten sich nicht bei der Arbeit fotografieren lassen. Zuviele Reporter waren in der Stadt und haben mit ihren Bildern viel Geld gemacht.
In den Heimen, mit denen wir zusammen arbeiten, sieht es etwas anders aus. Die Reparaturarbeiten sind so gut wie abgeschlossen. Das Heim, welches neu aufgebaut werden muss nimmt immer mehr Gestalt an. Der Bauunternehmer sagte uns in einem Gespräch, wenn der Nachschub an Material nicht wieder ins Stocken gerät, geht er davon aus, dass die Kinder Anfang des nächsten Jahres in ihre neuen Zimmer einziehen können. Dafür drücken wir ganz fest die Daumen, denn die Situation auf dem Übergangsgrundstück birgt schon viele Probleme, an die wir anfangs nicht gedacht hatten.
Zwar sind die provisorischen Räume alle prima gemacht und es gibt auch Platz genug für alle, aber es gibt ein großes Problem mit kleinen, vierbeinigen Besuchern. Diese stehlen den Nounous, die bis letzte Woche in den großen Zelten auf dem Boden schlafen mussten (auf Matratzen), die Nachtruhe. Noch an unserem letzten Tag in Haiti konnten wir aber eine Lösung für dieses Problem in Angriff nehmen. Es wurden weitere kleine Zelte besorgt, damit die Nounous ungestört ihre Nacht verbringen können und für die Nachtnounous gab es Feldbetten. An dieser Stelle noch mal ein herzliches Dankeschön an alle Spender, denn ohne die, könnten auch solch vermeintlich „kleine“ Probleme nicht so unkompliziert und schnell gelöst werden.
Sehr beeindruckend war unser Besuch in Ferrier. Um nach Ferrier zu kommen, braucht man unbedingt ein Allradfahrzeug. Daher trafen wir uns am Regierungspalast mit M. Bise Wood, dem Leiter des Schulprojekts « Odevich ».
Die Fahrt führte uns durch Carrefour Feuilles und war recht bedrückend. Der Stadtteil ist sehr arm, die Menschen haben nichts mehr. Das Erdbeben hat fast alle Häuser zerstört. Am oberen Rand des Ortes lebt Bise Wood in einem einfachen, kleinen Haus. Auf die Frage, warum er nicht hier seine Idee von der Schule verwirklicht hat, meint er nur, in Ferrier gäbe es mehr Armut. Den Menschen in Carrefour Feuilles, ginge es noch gut. Wir verstehen das erst, als wir in Ferrier ankommen.
Der Weg dorthin ist definitv abenteuerlich und ohne geländegängiges Fahrzeug gar
nicht machbar. Wir durchqueren Sandabbaugebiete, und passieren immer wieder kleine
Siedlungen. Ferrier ist eine Gemeinde, die sich über viele Kilomenter erstreckt. Die Häuser der Leute stehen vereinzelt, es gibt keinen Strom, kein Wasser.
Die Menschen sind freundlich und lächeln uns zu. Niemand scheint sich durch unseren
Besuch gestört zu fühlen. Alle begrüßen M. Bise Wood mit nettenWorten.
Auch durch die Hilfe von « HELP a child e.V. » konnte schon im Mai wieder mit einer Art „Unterricht“ begonnen werden. Die Kinder hatten quasi ein Ferienprogramm (incl. Mittagessen), an dem pro Tag zwischen 30 und 100 Kinder der Region teilnahmen.
Das Projekt entstand 2006 aus der Idee dreier junger Männer die das Gefühl hatten etwas tun zu wollen. Obwohl auch sie in armen Vierteln der Stadt Port au Prince leben. Rein aus dem Gedanken heraus und dem Willen etwas zu bewegen entstand ein Zufluchtsort für viele Kinder der Region. Die Lehrer und Köchinnen arbeiten auch ehrenamtlich. Lediglich die Handwerker werden für ihre Arbeit entlohnt.
Selbst am Sonntag sind Handwerker da um letzte Arbeiten zu erledigen, bevor Anfang Oktober die Schule wieder beginnt.
Für den nächsten Tag war ein weiterer Besuch in Ferrier geplant. Zusammen mit einer Mitarbeiterin der Organisation „Architecture for Humanity“. Das Hauptbüro von „AfH“ ist in San Francisco. Mit einem deutschen Mitarbeiter, Herrn Kloos, hatte Fr. Anders schon mehrfach Kontakt um evtl. M. Bise Wood beim Neubau seiner Schule zu begleiten. So gab es in den letzten Monaten ein regen Austausch und zu guter Letzt dann das erste Treffen mit einem Mitarbeiter vor Ort. Zu AfH gehören Architekten, die neben ihrer normalen Arbeit an Problemlösungen für den Guten Zweck arbeiten. So haben sie eben auch mehrere Projekte in Haiti.
Wir werden wieder herzlich begrüßt, spontan singen die 120 Kinder, die zum Unterricht erschienen waren, ein Lied. Wir bedankten uns mit dem mitgebrachten Stiften und Keksen. Aus einer Schule in den Niederlanden hatten wir kleine Briefe und Bilder dabei, die die Kinder kurz nach dem Erdbeben an Kinder in Haiti geschrieben hatten. Auch diese haben wir verteilt und voller Neugier wurden sie auch gleich geöffnet.
Spontan griffen die Kinder zu Papier und den neuen Stiften und malten Antwortbriefe, die wir gleich wieder mitnehmen konnten. Die größeren Kinder interessierten sich sehr dafür, woher diese Briefe stammen.
Ein großes Problem ist die Wasserversorgung für die Schule und die Gemeinde. In einem Teich sammelt sich Regenwasser, dass von den Bergen läuft. Hier tränken die Anwohner ihr Vieh, waschen ihre Kleidung, baden und holen auch das Wasser für den täglichen Gebrauch zu Hause. Gemeinsam sind wir noch mal zu dem Tümpel rübergegangen und kamen auch auf eine Lösung. Nun gilt es noch herauszufinden, ob es so einfach machbar ist. Eine Möglichkeit wäre, eine große Zisterne aus Kunststoff anliefern zu lassen und an einem zentralen, aber einsehbaren und somit bewachbaren Ort aufzustellen.
In regelmäßigen Abständen könnte man dann einen gesamten Wasser LKW ankaufen und kommen lassen. Langfristig macht nur eine Regenwassersammelanlage auf dem Schuldach Sinn.
Eine Bohrung für einen Brunnen scheint nicht möglich, da das Gelände quasi nur aus Sand besteht.
Gut gelaunt und dankbar verabschieden uns die Kinder wieder mit Gesang.
Die Menschen die uns in der Stadt begegnen sehen sehr hoffnungslos und leer aus. Viele Leute haben den Glanz in ihren Augen verloren. Viele Menschen sind sehr dünn und haben offensichtlich, trotz der prall gefüllten Märkte, schon lange nichts gegessen. Es fehlt an Kaufkraft. Das Obst scheint auf dem Markt zu vergammeln. Zudem sind die Marktpreise horend teuer. Man sagte uns, es liege an den vielen Hilfskräften die da waren, sie seien bereit gewesen hohe Preise für Lebensmittel zu zahlen...
Die Übergangslager aus Zelten sind mittlerweile fast überall mit weiteren Planen überzogen, weil die Dächer den Regen nicht mehr halten. Insgesamt ist die Stimmung in der Stadt aber überaus friedlich.
Die Menschen sind sehr still.
Insgesamt wurden wir auf dieser Reise nach Haiti mit zahlreichen Problemen konfrontiert, die mit Geld einfach nicht zu lösen sind. Wir haben unheimlich viele Gespräche geführt und hoffen auch, dass wir es geschafft haben den Menschen die uns begegnet sind Hoffnung und Zuversicht zu vermitteln.
Unsere nächsten Ziele sind, die Wasserversorgung in den Heimen und auch in Ferrier sicherzustellen und auch für sauberes Wasser zu sorgen. Für die Schule warten wir zurzeit auf Genehmigungen der haitianischen Behörden. Sobald diese vorliegen, können wir konkreter planen. Weiter werden wir uns auch um das Wohl der Mitarbeiter in den Heimen kümmern und gemeinsam mit ihnen nach Lösungen für auftretende Probleme suchen.
Wir werden über den Verlauf des Wiederaufbaus weiter berichten.
Fotos werden in nächster Zeit aktualisiert.
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